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Casa Angelo

Die Residential Child Care Facility RCCF von Mangetti Dune / Nambia ist eine private Institution, die sich seit bald 25 Jahren um einheimische Waisenkinder im Alter von Geburt bis 18 Jahre kümmert. Der inoffizielle Name «Casa Angelo» erinnert an die grosszügige finanzielle Unterstützung durch einen «Engel» aus der Schweiz. Gemäss staatlicher Bewilligung dürfen in der Casa Angelo maximal 25 Kinder beherbergt werden. Betreut werden die Kinder von einheimischen Frauen und Männern. 

Tuberkulose und Aids sind im Buschmanland die grössten medizinischen Herausforderungen. Als Leiterin der Buschman-Klinik in Mangetti Dune sah sich die Schweizer Ärztin Dr. Melitta Bosshart täglich mit diesen Krankheiten konfrontiert. Als Folge der schweren Erkrankungen mit Todesfolge registrierte sie eine stetig steigende Zahl von Waisenkindern. Als eines Tages ein einjähriger Waisenknabe in der Klinik abgegeben wurde, beschloss sie die Gründung eines Waisenhauses. Es sollte als Ergänzung zum bereits in Betrieb genommenen Kindergarten erstellt werden.

Zwei Jahre lang dauerten die Vorarbeiten für das Waisenhaus. 2002 war es dann so weit. In direkter Nachbarschaft zur Klinik nahm in einem von den früheren südafrikanischen Besatzern halbfertig zurückgelassenen Gebäude ein Waisenhaus für sechs Kinder den Betrieb auf. In Erinnerung an den «Engel» aus der Schweiz, der mit einer grosszügigen Spende den Bau und die Einrichtung des Waisenhauses ermöglichte, wurde es «Casa Angelo» getauft.



Mangetti Dune
Die Casa Angelo befindet sich in Mangetti Dune, der mit rund 1000 Einwohnern zweitgrössten Ortschaft des Buschmanland. In der ehemaligen südafrikanischen Garnison befindet sich neben den zerfallenden, ehemaligen militärischen Einrichtungen die zentrale Klinik sowie eine der fünf Schulen des Buschmanlandes. Nahe bei Mangetti findet sich ein Flugplatz, der im namibischen Befreiungskrieg eine wichtige Rolle gespielt hat. Der Flugplatz ist heute nur noch für Kleinflugzeuge benutzbar.​

 

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Buschmanland und die San
Das Buschmanland liegt in der nordöstlichen Ecke von Namibia, am oberen Rand der Kalahari. Es ist rund 18'000 km2 gross und von rund 10'000 Personen bewohnt. Das Buschmanland wurde im Rahmen der südafrikanischen Homeland-Strategie im Jahr 1970 in der heutigen Region Otjozondiupa vornehmlich für die San (Buschleute) eingerichtet. Die größte Ansiedlung ist Tsumkwe mit etwas mehr als 1000 Bewohnern.

«San» ist eine Sammelbezeichnung für einige indigene Ethnien im südlichen Afrika, die ursprünglich als reine Jäger und Sammler lebten. Die San gelten als die Ureinwohner Namibias. Das Wort „San“ bedeutet so viel wie „jene, die etwas vom Boden auflesen“. Es gibt vier San-Stämme: Ju/'hoansi, Vasekele, Mpungu und Hei/'om. Die Ju/’hoansi bilden die grösste und bekannteste Untergruppe der San. Ju/’Hoansi bedeutet „die wirklichen Menschen“. Die San weisen eine relativ geringe Körpergrösse auf, eine gelblich-braune Hautfarbe, vorstehende Backenknochen und das sogenannte Filfil oder Pfefferkornhaar, das sich wie Stahlwatte anfühlt.

Die San lebten ursprünglich in kleinen Gruppen von nicht mehr als 25 Personen. Die Männer betrieben zwei Arten der Jagd: Einerseits die waffenlose Ausdauerjagd und andererseits die Jagd mit Giftpfeilen. Durch das Leben im relativ wasserreichen Kalahari-Randgebiet kannten und benutzten die San viele hundert ess- und verwertbare Pflanzen.

 

 

San heute
Bis 1960 lebten die San fast unberührt von der Aussenwelt, als Jäger und Sammler. Danach begann sich ihr Leben unter der südafrikansichen Administration stark zu verändern. 1970 wurde das „Buschmanland“ geschaffen, was viele San veranlasste, sich in Tsumkwe, der „Hauptstadt“ des Buschmanland anzusiedeln. Die Folgen waren desaströs. Die Arbeitslosigkeit war hoch, Alkoholmissbrauch weit verbreitet und die bis dahin relativ ausgewogene Ernährung mit vítaminreichen Buschpflanzen und Fleisch wurde durch Maisbrei ersetzt. Einige San
wurden in den militärischen Dienst eingezogen und arbeiteten insbesondere als Spurenleser. Auch wenn später einige San wieder in ihre ursprünglichen Territorien zurückkehrten, konnten sie ihre Tradition kaum so aufrechterhalten, wie es ihren ursprünglichen Lebensbedingungen entsprach. Durch den Zwang, für die Südafrikaner gegen die Namibische Unabhängigkeitsbewegung zu kämpfen, war ihre Situation nach der Unabhängigkeit stark beeinträchtigt. Mit Folgen bis heute: Die aktuelle soziale Eingliederung der San in die namibische Gesellschaft ist stark vom Bild des auf der gegnerischen Seite gegen die Unabhängigkeit kämpfenden „Buschmann“ geprägt. Stigmatisierung, Diskriminierung und politische Vernachlässigung sind die Folge. Dies führte zu einer Verstärkung der sozialen Probleme, was sich besonders im Bildungsbereich zeigt. Während sich die namibische Regierung für die erhöhte Ausbildung anderer Sprachgruppen stark macht, werden die San im namibischen Bildungssystem vernachlässigt, was man an geringen Alphabetisierungs- und Einschulungsraten erkennen kann.

In Gebieten mit hohen San Bevölkerungsanteilen gibt es eine erhöhte Arbeitslosigkeit und sehr geringe Kaufkraft, ein Hang zur Trunksucht und Probleme mit Gewalt, Orientierungslosigkeit und Antriebslosigkeit, Anfälligkeit für Krankheiten und Kindersterblichkeit etc. Wenn sich die San in der Vergangenheit bei Problemen (fast) frei und problemlos in ihre Buschgebiete zurückziehen konnten, bleibt ihnen dieser Ausweg heute verwehrt. Den San im westlichen Buschmanland ist beispielsweise per Gesetz verboten zu jagen, des Weiteren haben sie keine Möglichkeit zu nomadisieren, da grosse Teile ihrer traditionellen Gebiete kommerzielles, privates Farmland sind. Die Folge, die besonders schwer wiegt, ist die starke Abhängigkeit der San von Hilfen anderer, wie etwa der Nahrungshilfe der Regierung.

Die traditionelle Kultur der San wird unterdrückt und ihnen bleibt der Zugang zu einem modernen Namibia erschwert oder verwehrt. Die San scheinen sich zwischen den traditionellen Aspekten ihrer Kultur und zwischen dem Streben nach einem fortschrittlichen Leben im modernen Namibia zu befinden, ohne allerdings die positiven Aspekte beider Lebensformen vereinen zu können; eine Kompatibilität scheint nach allen Erkenntnissen sehr schwierig und die ursprüngliche kulturelle Identität der San geht immer weiter verloren.

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​Klicke hier und erfahre mehr über die Organisation von Casa Angelo vor Ort sowie in der Schweiz.

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