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Jahresbericht 2021

Aktualisiert: 28. Okt.


MANGETTI IM FEBRUAR 2022

 

“ICH WAR TRAURIG, DENN ICH HATTE KEINE SCHUHE, DANN SAH ICH EINEN MANN, DER HATTE KEINE FUESSE”

 

Liebe Freunde der Casa Angelo,

Ein weiteres Jahr, ein sehr turbulentes, ist vorbei. Ich brauchte etwas mehr Zeit, um den Jahresbericht zu schreiben, da ich nicht frustriert oder die “Nase voll habend”, erscheinen wollte. Doch das Jahr 2021 hatte es in sich.

 

Das Ministry of Gender and Child Welfare bezahlt jeden Monat einen Beitrag

von 400N$ fuer die Kinder, die mittels Gerichtsbeschluss bei uns platziert sind.

Im Moment sind das neun von 22 Kindern. Mit dem Geld können wir monatlich gerade mal das Wasser bezahlen!

Doch dann kam ein Schreiben des Ministeriums mit der Bitte, die Buchhaltung der letzten  sechs Monate einzureichen - von einem Auditor geprueft. Der Grund: wir muessten beweisen, dass wir genuegend Geld haben, um die Casa Angelo, zu betreiben. Als erstes erreichte ich, dass sie auf den Auditor verzichten. Auditoren sind rar in Namibia und sehr teuer.  Dann konnte ich es nicht verklemmen, ihnen mitzuteilen, dass dies Verhalten an Arroganz grenzt, wird die Casa Angelo doch zu 98% mit Spendengeldern finanziert. So viel zur namibischen Buerokratie…

 

Im Februar erhielten wir ein Neugeborenes. Die geistig sehr behinderte Mutter ist unfaehig, sich um das Kind zu kuemmern. Wenig spaeter bekamen wir ein etwa 10-jaehriges Maedchen aus dem Grootfontein Hospital. Die Eltern dachten, das Kind sei gestorben und setzten sich ab. Bis zum heutigen Tag, wissen wir nicht, wo sie sind. Das Maedchen hat keinerlei Papiere, war nie in der Schule. Wir haben sie eingeschult. Sie ist begeistert von der Schule und brachte ein ausgezeichnetes Zeugnis nach Hause. Im Juni wurden uns gleich drei Kinder gebracht. Der Vater hat die Mutter umgebracht. Die Kinder wurden einfach bei

uns “deponiert”. Wir kannten nur ihre Vornamen, kein Geburtsdatum, keinen Nachnamen. Im Dezember hatten wir dann alle Angaben zusammen, aber keine Dokumente. Die drei haben sich gut eingelebt, das aeltere Maedchen haben wir dieses Jahr eingeschult, der Knabe geht in den Kindergarten und das Kleinste ist zuhause, sie ist erst 1 1/2 Jahre alt.

 

Problem bereiten uns auch die “grossen“ Maedchen. N!hunkie mussten wir entlassen, da sie sich rumtrieb und trank. Gefragt, warum sie das tue, sagte sie: weil ich alt genug bin zum Trinken! Ein wahrlich schlagendes Argument. Marengua, die bei uns vor allem bei der Betreuung der Kleinen mithalf, lief einfach weg. N//’ao, die im October 18 Jahre alt wurde, entliessen wir auch, da sie die Schule mehr schwaenzte als besuchte. Auch sie erfreute sich des Trankes. Sofia mussten wir auch gehen lassen, sie ist 14 Jahre alt und hatte “an ongoing love-affair” mit einem Schulkollegen.

 

Damit es uns nicht langweilig wurde, vergewaltigte einer der Teenage Boys

eines der juengeren Maedchen. Zudem belaestigte er auch die kleineren Jungs. Ich sandte ihn nach Windhoek in die Psychiatrie zur Evaluierung: ist er paedophile  oder verhaltensgestoert?  Laut Psychiater ist er weder das eine noch das andere, habe aber eine Lernstoerung. Was uns bekannt war, da seine Zeugnisse noch nie besonders gut waren. Die Gerichtsverhandlung steht noch aus…

 

ABER...

Die Freuden des Alltags lassen uns die Sorgen vergessen. Wir haben eine lebhafte Meute, die sich ueber Kleinigkeiten enorm freuen. Die Kinder sind hilfsbereit, gegenseitig und auch mir gegenueber.  Am Wochenende wird bei mir “gegaertnert”, gebacken oder gespielt. Allen HIV positiven Kindern geht es

ausgezeichnet. Sie gehen taeglich unaufgefordert in die Klinik, um ihre Medikamente einzunehmen. Die meisten der Kinder haben gute Zeugnisse.

/Kaqece, der aus der Schule in Tsumkwe weglief, wurde wieder aufgenommen und haelt hoffentlich dieses Jahr durch. Er zeigt ein typisches Buschmanverhalten: Man vermeidet Konfrontationen. Gibt es welche, laeuft man weg.

 

Fazit…Fuer einen Regenbogen braucht es Sonne und Regen.


ree


Fuer Ihre treue Unterstuetzung bedanke ich mich einmal mehr ganz herzlich - auch im Namen der Kinder. Dank Ihnen allen haben die Kinder ein Zuhause, ihr taegliches Brot und die Moeglichkeit, die Schule zu besuchen.

 

Fuer 2022 wuensche ich Ihnen alles Gute, Gesundheit und Zufriedenheit.


Melitta Bosshart

 
 
 

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