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Jahresbericht 2023

Aktualisiert: 14. Okt. 2025

Liebe Freundinnen und Freunde des Waisenhauses Casa Angelo in Mangetti Dune/Namibia

Tempora mutantur, nos et mutamur in illis – die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen. Was für uns alle gilt, gilt auch für Melitta Bosshart und das Waisenhaus Casa Angelo. Zusammen mit meiner Frau Marion und Sohn Nico hatte ich im November 2023 die Gelegenheit, Melitta zu besuchen und mir ein Bild von der aktuellen Situation in Namibia zu machen. Gerne teile ich meine Eindrücke mit Ihnen:


Namibia

20mal so gross wie die Schweiz ist Namibia die Heimat von 2,6 Mio Einwohnern. Politisch ist das Land einigermassen stabil mit einer sozialistischen Regierung, die mehrheitlich aus Mitgliedern der grössten der zehn namibischen Völkergruppen besteht – den Ovambo. Die kleinste der einheimischen Völkergruppen bilden mit rund 30'000 Menschen die Buschmänner, auch Bushmen oder San. Die Heimat der Bushmen ist das Buschmannland im Nordosten von Nambia. Die Weissen machen rund 6% der namibischen Bevölkerung aus, haben aber immer noch viel Einfluss. Ein grosses Problem stellen die sozialen Ungleichheiten dar – es gibt wenig reiche und viele arme Namibier und Namibierinnen.Wirtschaftlich geht es dem Land nicht wirklich gut. Rund 25% des Bruttoinlandprodukts stammen aus dem Bergbau (Diamanten, Uran), 10% aus der Landwirtschaft und 12% vom aufstrebenden Tourismus. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt 4854 US-Dollar. Namibia ist wirtschaftlich immer noch stark von Südafrika abhängig, der südafrikanische Rand und der namibische Dollar werden 1:1 gehandelt.        Die Natur ist das grösste «Exportgut» von Namibia. Die Distanzen sind enorm: Von Windhoek nach Outjo rund 600 Km,von Outjo nach Mangetti Dune rund 500 Km.


Dr. Melitta Bosshart

«Docco Melitta», wie sie von den Bushmen genannt wird, ist mittlerweile 72 Jahre alt. Seit Oktober 1989 ist Namibia ihre Heimat. Einen Tag nach der Unabhängigkeit Namibias hat sie am 21. März 1990 die Leitung der Klinik in Mangetti Dune und damit die Verantwortung für die medizinische Versorgung der Bushmen übernommen. Die Buschmänner (Bezeichnung gilt für Frauen, Männer und Kinder) leben auf einem Gebiet, das halb so gross ist wie die Schweiz. In ihrer Zeit in Mangetti Dune hat Docco Melitta neben zwei Stationen zur Behandlung der vielen Tuberkulose-Kranken mit ideeller und finanzieller Unterstützung aus der Schweiz auch drei Suppenküchen, sechs Kindergärten und das Waisenhaus Casa Angelo gegründet und aufgebaut. Die ordentliche Pensionierung von Melitta als Ärztin verzögerte sich aus «speziellen, namibischen Gründen» um vier Jahre. Das Gesundheitsministerium als Melittas Arbeitgeber schaffte es nicht, eine Nachfolge zu organisieren. Und war einmal ein Nachfolger bestimmt, so sprang dieser kurz nach Antritt der Stelle wieder ab. Der Job in Mangetti Dune scheint nicht so begehrt zu sein.Im Sommer 2022 war es dann doch so weit. Die Nachfolge war zwar immer noch nicht geregelt. Dennoch wurde Docco Melitta von der Regierung «gebeten», ihr Haus in Mangetti Dune zu räumen – praktisch von einem Tag auf den anderen. Melitta hatte für diesen Tag vorgesorgt und auf der Farm ihrer langjährigen Freunde Marie und Dennis Profitt ein einfaches, energieautarkes Haus gebaut. Die rund 200 Quadratkilometer grosse Farm liegt südlich der Etosha-Pfanne rund 60 Kilometer von Outjo und damit über 500 Kilometer von Mangetti Dune entfernt. Dennoch ist Melitta regelmässig vor Ort, um im Waisenhaus zum Rechten zu sehen.



Casa Angelo

Von den verschiedenen von Docco Melitta gegründeten Einrichtungen sind die Tuberkulose-Stationen als Teil des Mangetti-Dune-Health-Centers in die Verantwortung des Gesundheitsministerium übergegangen. Die Suppenküche in Mangetti Dune ging in die Obhut der Organisation Hand in Hand for Africa über. Die Suppenküche und die Food-Rations-Station in Tsumkwe, wo die Tuberkulose-Kranken ihre tägliche Medikamentenration erhalten, werden immer noch von Melittas Organisation finanziert. Die Leitung der Kindergärten liegt bei der seit vielen Jahren in Namibia aktiven Nederlands Gereformeerde Kerk (Dutch Reformed Church).Neben der Suppenküche und der Tb-Station in Tsumkwe hat Melitta die Verantwortung für das Waisenhaus Casa Angelo behalten. Übrigens: Das Ministerium für Geschlechtergleichheit und Kinderwohlfahrt (Ministry of Gender and Child Welfare) hat Docco Melitta gebeten, die Beschriftung «Casa Angelo» über dem Eingang zu übermalen. Begründung: Die Leute könnten ermutigt werden, die Kinder diskriminierend als «Casa Kinder» zu bezeichnen.  Auch der Begriff «Waisenhaus» sollte verschwinden und wurde durch RCCF (Residential Child Care Facility) ersetzt. Der Name «Casa Angelo» steht zwar nicht mehr über der Eingangstüre, dennoch wird er weiterverwendet. Die Bezeichnung RCCF erscheint nur in «offiziellen» Dokumenten. RCCF hat eine Betriebsbewilligung für 25 Kinder im Alter von 0 bis 18 Jahren. Aktuell wohnen dort 23 Kinder im Alter von 2 bis 16 Jahre. Betreut werden sie von vier einheimischen Frauen (aunties), einer Köchin und drei Putzfrauen. Die administrative Leitung vor Ort und der Kontakt zu Melitta liegen bei Norbert Neumann (Jahrgang 1985), der hauptberuflich Fahrer der Mangetti-Klinik ist und in der Casa Angelo wohnt.Bei unserem Besuch in Mangetti durften/mussten wir feststellen:


  • die Kinder sind gesund, gut ernährt und äusserst fröhlich

  • ausser den Kleinsten besuchen alle Kinder die Schule oder den Kindergarten

  • die vier Aunties sind zu den Kindern nett und liebevoll, «reissen» sich aber nicht um die Arbeit

  • die Gebäude sind zweckmässig, die Räume und der umzäunte Umschwung gross genug

  • die Einrichtung der Küche ist äusserst dürftig, es fehlt an grundlegenden Dingen wie Teller, Besteck, grosse Messer usw. Alle Küchenutensilien, die Melitta bei ihrem Umzug in der Casa Angelo gelassen hatte, sind wie von Zauberhand verschwunden…

  • die sanitären Einrichtungen sind zwar sauber, aber zu einem grossen Teil defekt

  • die Einrichtung der Zimmer ist sehr spartanisch, die Kinder schlafen mehrheitlich auf Brettern, Matratzen fehlen

 

Fazit: Die Casa Angelo ist die Heimat für 23 Kinder. Sie werden gut betreut. Allerdings sind die Infrastruktur und vor allem die Einrichtungsgegenstände in die Jahre gekommen. Es besteht Renovations- und damit Investitionsbedarf.   


Finanzen

Die Rechnung der Casa Angelo ist überschaubar.


100 N$ sind rund 5 Franken, die 51'600 N$ sind umgerechnet also rund 2'580 Franken. Die jährlichen Kosten für den Besuch der Schule (Schulgeld, Uniformen usw.) betragen rund 8'000 N$, das Budget für Kleider beträgt 10'000 N$ und für Reparaturen 5'000 N$. Das ergibt einen jährlichen Aufwand von 635'000 N$ oder 31'750 Franken. Die Betreuung eines Kindes verursacht demnach jährliche Kosten von rund 1’300 Franken.


Finanziert wird die Casa Angelo auf drei Wegen. Erstens durch die IMS-Stiftung mit einer einmaligen Spende sowie die Ubuntu-Stiftung mit jährlich CHF 10'000. IMS-Stiftung und Ubuntu-Stiftung wurden beide von Schweizerin Irene M. Staehelin-Schindler ins Leben gerufen. Auch die Nicolas-Neuhaus-Stiftung aus der Romandie überweist seit einiger Zeit jährlich CHF 10’000. Drittens: Durch die Sammelaktion bei Bekannten und Verwandten sind bis 2021 pro Jahr nochmals rund 10'000 Franken aufs Casa-Angelo-Konto geflosssen. Den Rest der Ausgaben bestreitet Melitta aus ihrer privaten Kasse. Seit 2022 ist das Spendenaufkommen allerdings massiv eingebrochen, sodass der «Einschuss» von Melitta auf über 10'000 Franken/Jahr gestiegen ist.


Probleme und Zukunft

Bei der Gründung des Waisenhauses im Jahre 2002 finanzierten drei Personen aus dem erweiterten Freundeskreis von Melitta den Bau und die Ersteinrichtung der Casa Angelo. Die Beschaffung der Gelder für die Begleichung der Betriebskosten erfolgte über Patenschaften (CHF 1'200). Doch schon bald wurde das System der «Patenschaften» unübersichtlich. Die «süssen» Kinder erhielten «mehrfache» Patenschaften, andere keine. Zudem sorgten die alters- oder sonst-wie-bedingten Austritte der Kinder aus der Casa Angelo für ein Durcheinander. Wir haben deshalb beschlossen, ab 2024 keine namentlichen Patenschaften mehr zu vergeben. Unbenannte Jahrespatenschaften von CHF 1'300 (Anpassung an die Teuerung) sind natürlich auch weiterhin möglich.


Gefragt nach den dringlichsten Problemen bei der Führung der Casa Angelo nennt Melitta den «Mangel an professioneller Betreuung». Die Betreuung durch die Aunties ist gut und recht, doch für die Lösung spezifischer Probleme wie der Vermittlung von weiterführender Ausbildung oder der direkten Betreuung der pubertierenden Mädchen und Knaben und damit der Vermeidung früher Schwangerschaften bedürfen einer Fachkraft. Offensichtlich ist es schwierig, geeignetes ausgebildetes Waisenhauspersonal zu finden. Und dann müsste die Fachperson auch noch finanziert werden…


Bisher hat sich Melitta um solche Problemfälle gekümmert. Doch sie wird auch nicht jünger. Zudem ist die räumliche Distanz zwischen Outjo und Mangetti einer engen Begleitung auch nicht förderlich. Und so hat sich Melitta auf die Suche nach einer sozialen Institution gemacht, welche die Verantwortung, Finanzierung und Führung der Casa Angelo übernehmen könnte. Erste Gespräche finden demnächst statt. Bis aber eine definitive Lösung gefunden ist, wird es noch einige Zeit dauern. Und so lange ist Melitta auf die ideelle und finanzielle Unterstützung durch Sie, liebe Gönnerinnen und Gönner, angewiesen.



Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihr Engagement.


Herbert Bosshart

 
 
 

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