Jahresbericht 2024
- Herbert Bosshart

- 27. Nov. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. Okt.
Liebe Freundinnen und Freunde des Waisenhauses Casa Angelo in Mangetti Dune/Namibia
Tempora mutantur, nos et mutamur in illis – die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen. Mit diesem lateinischen Sinnspruch habe ich vor zehn Monaten den etwas ausführlicheren Bericht zum Waisenhaus Casa Angelo in Mangetti Dune in Namibia eingeleitet. Was damals galt, gilt immer noch: Die Situation der Casa Angelo und von Melitta Bosshart sind einem steten Wandel unterworfen. Gerne berichte ich über die Veränderungen der letzten Monate.
«Docco» Melitta hat am 1. Oktober 2024 ihren 73. Geburtstag gefeiert. Sie sagt von sich, dass sie «körperlich zu 100 Prozent fit» sei. «Mental belastend» sei hingegen die Betreuung der schwerkranken Marie, der Frau von Denis Profitt, und deren Familienangehörigen. Die Profitts sind aktuell am Umzug auf die neue Farm, die etwas kleiner als die «Alte» ist und näher an Outjo liegt. Mit dem Verkauf der alten Farm haben die Profitts auch das Haus von Melitta verkauft. Sie wird deshalb in den nächsten Wochen ebenfalls umziehen. Melitta wird auf der «neuen» Farm ein bestehendes Haus beziehen – sofern der bisherige Mieter endlich von der Polizei ausquartiert sein wird. Zudem muss das Haus «grundlegend» instand gestellt werden. Es kann also noch etwas dauern – that’s africa.
Obwohl Outjo rund 500 Kilometer Sandpiste und damit eine Tages-Autofahrstrecke von Mangetti Dune entfernt liegt, besucht Melitta die Casa Angelo regelmässig. Für die aktuell
23 Kinder und das Betreuerteam wird jeder Besuch zu einem Fest. Melitta bringt dann Grillwürste, Chips und Süssigkeiten mit, die jeweils im «Hui-um» weggeputzt sind. Ab und zu unternehmen alle zusammen einen Ausflug in die Umgebung. Ein andermal werden die gespendeten Kleider verteilt – was immer zu einer speziellen Modenschau führt…
Den Kindern geht es gemäss Bericht von Melitta «allen sehr gut». Der neuste «Zugang» ist ein einjähriges Mädchen, das völlig unterernährt in der Casa Angelo eingetroffen ist. Überhaupt stellen unterernährte Kinder im Buschmannland aktuell ein sehr grosses Problem dar. Melitta: «Im Leichenschauhaus lagen kürzlich die Körper von zehn verhungerten Kindern…»
Die als «care giver» angestellten Frauen machen gemäss Melitta eine «ok-Job». Allerdings bedeute für sie «Kinderbetreuung» nur: Essen, Bett und Schule. Eine ausgebildete Kinderbetreuerin wäre dringend notwendig. Und das für Waisenhäuser zuständige Ministry of Gender an Child Welfare wünschte sich eigentlich einen vollamtlichen Manager. Melittas Antwort nach Windhoeck: «Gerne, wenn das Ministerium den Lohn übernimmt, ansonsten halt aus Spargründen nicht.»
Die Räumlichkeiten der Casa Angelo habe sie in «sauberem Zustand» angetroffen, berichtet Melitta. Allerdings sei der Zustand der Häuser und Einrichtungen «alarmierend schlecht». Im Knabenhaus funktionieren weder Dusche noch WC. Und die Küche! Es fehlen Teller, Besteck und Becher. Und der Kochherd wurde wahrscheinlich noch nie geputzt. Nachdem sie trotz abgedrehten Schaltern intensiven Gasgeruch festgestellt hat, hat Melitta in Grootfontein einen neuen Gasherd gekauft, plus Teller, Tassen usw.

Womit wir bei den Finanzen wären! Die Sammelaktion 2024 war nicht wirklich erfolgreich. Wären nicht die Nicolas-Neuhaus-Stiftung und die IMS-Stiftung mit ihren Spenden von je CHF 10'000, die Casa Angelo hätte aus Geldmangel schliessen müssen. Vom Staat erhält die Casa Angelo als Unterstützung pro Kind und Monat 412 N$ oder rund 20 Franken – allerdings nur für die Kinder, die per Gerichtsbeschluss in der Casa Angelo sind. Und das sind von den aktuell 23 Kindern nur gerade deren acht. Die zuständige Sozialarbeiterin in Grootfontein schafft es jedoch nicht, auch für die restlichen Kinder Gerichtsbeschlüsse zu beschaffen – sie ist «very busy». Mit Melittas Worten: «Sie ist faul geboren und ohne jegliches Interesse an den Kindern».
«Docco» Melitta ist ein wenig müde geworden und hat Angst, dass die Casa Angelo «zerfällt», wenn sie sich nicht mehr regelmässig darum kümmern kann. Sie ist deshalb auf der Suche nach einer sozialen Institution, welche die Verantwortung, Finanzierung und Führung der Casa Angelo übernehmen könnte. Leider ist ihre Suche bisher ohne Erfolg geblieben. Deshalb bittet sie alle Freundinnen und Freunde der Casa Angelo inständig auch weiterhin um tatkräftige Unterstützung – ideell und finanziell. Ich schliesse mich Melittas Bitte an und richte den dringenden Appell an Sie, die Idee der Casa Angelo auch dieses Jahr wieder mit einer grosszügigen Spende zu unterstützen. Nicht zuletzt, damit die dringend notwendigen Instandstellungsarbeiten vorgenommen werden können.
Meine Schwägerin Birgit Waldburger hat vier Kalender für das Jahr 2025 gestaltet. Einen Tischkalender und einen Küchenkalender mit Bildern der Kinder der Casa Angelo. Sowie eine Tisch- und eine Küchenkalender mit Tierbildern, die Birgit Waldburger bei ihren Besuchen in Namibia geschossen hat. Die Kalender eignen sich bestens als Weihnachtsgeschenk. Vom Preis von CHF 45.00 respektive CHF 40.00 gehen nach Abzug der Produktions- und Versandkosten je CHF 20.00 direkt in die Kasse der Casa Angelo. Das Bestellformular liegt diesem Bericht bei.
Bei Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihr Engagement.
Herbert Bosshart




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